Zwei Priestergräber in unserer Kirche!
In der Mitte der Kirche, zwischen den 1904 neu angefertigten Kirchenbänken, diese kosteten 800 Kronen, befinden sich die beiden Priestergräber. So teilte es uns der Ortschronist Jakob Anger im Jahre 1912 in seinem Tagebuch mit. Tausende von Kirchenbesuchern gingen über diese Gräber, immer weniger wussten von diesen, die Erinnerung verblasste mit unseren Alten. Sicherlich waren die beiden Grabplatten lange sichtbar, erst mit der Erneuerung des Bodens verschwanden sie unter den einheitlichen Bodenplatten, so wie wir sie heute kennen.
Das Auffinden der Ruhestätten von Leipertitzer Kirchenmännern war sicherlich eine Sensation. Grablagen in großen Kirchen waren früher nichts ungewöhnliches, aber meist stammten die Beerdigten aus Adelsfamilien, sie bekamen oft eine Gruft mit reich verzierten Sargdeckeln mit dem Familienwappen. Wer die Priester in der Leipertitzer St. Georgskirche waren lässt sich nicht mehr vollständig klären. Jedenfalls wollten die beiden Gott in ihrer Kirche nahe sein. Es muss sich um zwei Pfarrer handeln die lange Zeit in Leipertitz wirkten und sich deshalb besonders mit dem Ort verbunden fühlten. Es ist zu vermuten das 2 Priester in Frage kommen auf die dieses zutrifft. Wir denken es sind die Pfarrer Ernest Cek und Ignaz Hummel. Auf dem Leipertitzer Friedhof, im Jahre 1790 an den Ortsrand an der Irritzer Str. verlegt und im Jahre 1903 um 2/3 erweitert, ist uns kein Grab von Dienern Gottes bekannt. Sie hätten dort mit Sicherheit eine stattliche Grablage gefunden. Wir kennen zwar die lange Liste der Seelsorger in Leipertitz seit 1674, aber auch einige wurden während ihres häufig zwischen 5 bis 10 Jahre dauernden Amtes in andere Gemeinden versetzt und diese Pfarrer waren sicherlich jünger. Es war Gang und Gebe das sie mehrere Pfarrgemeinden durchliefen und dadurch ihr Amt differenzierter wahrnehmen konnten, denn in anderen Gemeinden lernte man an Erfahrung immer noch ein wenig hinzu.
Wir widmen uns den beiden in der Grablage vermuteten Kirchenmännern Cek und Hummel um über ihre Lebensdaten eine Begründung zu finden.
Ernest Cek kam mit 49 Jahren als Pfarrer nach Leipertitz, wirkte hier von 1795 bis zu seinem Tod am 4. Januar 1823, somit 28 Jahre als Seelsorger. Er muss bereits Jahre vor seinem Tod gesundheitlich stark angeschlagen gewesen sein, denn in den Kirchenbüchern erkennen wir das er nur noch ab den Jahren 1818 bis 1822 die letzte Seite der Eintragungen unterschrieb, ansonsten die Cooperatoren (die Kapläne) die letzte Ölung, die Beerdigung, die Taufen und die Trauungen der Leipertitzer durchführten. Hier hatte der Cooperator Apeinl und Franz Samhaber über mehrere Jahre die Hauptlast zu tragen. Das klassische Beispiel das ein kranker Priester nicht ersetzt wurde. Sein Begräbnis war keine große, an sich für Pfarrer gewohnte religiöse Demonstration, sondern eine mehr, für den 77 jährigen Leipertitzer Pfarrer, schlichte Beerdigung. Nur sein Stellvertreter Franz Samhuber und der Dechant, Pfarrer von Irritz führten die Trauerfeier durch.
Den weiteren Priester der in Leipertitz über lange Jahre die katholische Kirche präsentierte und den wir im Priestergrab in der Kirche vermuten ist Ignaz Hummel. Er trat die direkte Nachfolge von Pfarrer Ernest Cek im Jahr 1823 an, mit 38 Jahren wurde er Pfarrer in unserem Ort und betreute die Gemeinde über 35 Jahre. Sein Todestag war der 17. Februar 1858. Nach so langer Zeit hatte mit Sicherheit auch er die Bindung zu seinem Geburtsort verloren und war in Leipertitz fest verwurzelt. Sein Bestreben deshalb auch hier in seiner Gemeinde beerdigt zu werden war deshalb mit Sicherheit sehr groß. Auch bei seinem Begräbnis war die gesamte Gemeinde anwesend, der Pfarrer war immer die Respektsperson zu dem man immer aufblickte. Aber auch er wurde ohne die Anwesendheit kirchlicher Größen des Bezirks beerdigt. Versehen wurde er am 17. Februar 1858 vom Pfarrer aus Dürnholz, dem hochwürdigen Pfarrer Laurenz Mann, beerdigt von Franz Janatsch, dem Dechant und Pfarrer von Wolframitz. Auch hier fehlen die Erwähnungen der Pfarrer der umliegenden Gemeinden.
Der dritte Priester der in Frage käme für die Beisetzung in der Leipertitzer Kirche wäre Anton Anschiringer. Er ist am 6. Nov. 1794 gestorben, ist 69 Jahre alt geworden und hat 29 Jahre in Leipertitz die Katholiken betreut. Die Besonderheit seiner Kirchenbucheintragung ist, das keine Notiz über die letzte Ölung und einer Beerdigung durch einen Pfarrer erfolgt ist! Sondern es ist nur die Eintragung seines Todes im Kirchenbuch vermerkt! Das bedeutet wohl, dass er an anderer Stätte (seinem Geburtsort?) beerdigt wurde. Das fehlen einer Beerdigungseintragung ist ein Vorgang, der über den gesamten Zeitraum in dem in Leipertitz Kirchenbücher, dies seit 1694, geführt wurden, sonst nie vorkam!
Die Kirchenverwaltung setzte sehr schnell einen Nachfolger für Anton Anschiringer ein, es wurde Ernest Cek, der bereits oben im Text beschrieben wurde. Pfarrer Cek hatte seine erste Taufe in Leipertitz am 20.2.1795 und seine erste Beerdigung am 19.3.1795.
Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Cooperatoren in den Krankheitsfällen des Pfarrers oder der Vakanz, die Hauptlast der kirchlichen Arbeit, zu tragen hatten.
Es folgten 2 Pfarrer die bis zu ihrem Lebensabend in Leipertitz blieben, waren A. Boigner und J. Hofer. Nach Ignaz Hummel war für 23 Jahre Andreas Boigner, gebürtig in Chwallatitz bei Znaim, der Leipertitzer Seelsorger. Er wurde 1881 in seinem Geburtsort beigesetzt. Ein weiterer Priester war Johann Hofer, 44 Jahre blieb er in unserer Gemeinde und zog dann, hoch betagt, nach Groß Tayax. Über sein Leben ist ein Bericht in einer früheren Ausgabe des Info Blattes erschienen.
Auszug aus Angers Tagebuch
In der Mitte der Kirche
befindet sich der von den Jung-
frauen des Ortes gespendete
zehnarmige Lüster. Darunter
befinden sich zwei Priestergräber.
Als das Pflaster gelegt wurde,
wurde nachgegraben, die Ge-
beine gesammelt, und wieder beigesetzt